Auf Visionssuche
Eine ganz und gar tiefgreifende Erfahrung
Synergetik Therapeut Udo Schaub riet mir auf meiner Tour im Sommer 2001 dazu abends auf einen Vortrag zum Thema Visionssuche bzw. Vision-Quest mitzugehen. Ja, die alten indianischen Initiations-Riten waren immer in mir und in meinem Kopf vorhanden, deshalb nahm ich an, nicht viel von dem Abend mitnehmen zu können. Doch weit gefehlt. Denn schließlich reifte in mir der Entschluß auf meiner Reise jetzt genau das machen zu können.
Ausklinken in die Natur, einfach nur mit mir allein und ansehen, was da aufsteigt. So fuhr ich nach einem Besuch der weisen Synergetikerin Ananta von Frankfurt Richtung München und in Weibersbrunn nahm mich der Blick auf nichts als Wald rechts und links von mir ein. Es vibrierte in mir und außerhalb der Autobahn war der Wald teilweise so dicht und dunkel, daß auch bei schönstem klarsten Sonnenschein wenig Licht in den Wald fiel.
Ich fand einen Platz tief im Wald, geschützt durch viel umliegendes Holz und legte mich nur mit Schlafsack und Isomatte sowie Proviant und dem Vorhaben 2 Tage an dieser Stelle zu verbringen hinein. Aus dem Vortrag hatte ich die Idee übernommen 2 Tage alleine an einem Ort zu bleiben. Das Geraschel um mich herum, das begann, als ich selbst aufhörte herumzurascheln, war beeindruckend und locker zu nehmen. Aber was in meiner Nähe lief umher und brach bei seinen Schritten Holz im Dunkeln? Ein Reh, ein Hirsch, ein Wildschwein?
Die Antwort auf die Angst die hochkam erschien in inneren Bildern und der Tod kam vorbei und ich unterhielt mich lange und intensiv mit ihm über meine Position zu meinen Eltern. Ich hatte mich inzwischen am Ende des Schlafsacks verkrochen, da die Mücken sich verbündet hatten, um mich aufzufressen. Alles größere Getier war kein Problem, diese Minidinger jedoch waren die Hölle. Im Schlafsack war es zu warm, außerhalb des Schlafsacks waren die Mücken.
Irgendwie schlief ich ein und wachte auf mit dicken Flatschen von Stichen auf meiner Haut. Ich behandelte mich und meine Stiche seit meiner Ankunft im Wald pausenlos selbst mit Prana-Heilung. Ich verscheuchte erneut und sinnlos die anwesenden Mücken. Als dann noch ein Schuß von einem Förster im Wald fiel, war es genug. Ich entschied nach ganzen 4 Stunden in diesem Wald, daß das hier nicht mein Ort war. Ich wollte meinen Gedanken und Empfindungen folgen und nicht dabei von den Mücken so stark abgelenkt werden, daß es nicht funktionierte.
Also rollte ich Isomatte und Schlafsack zusammen und packte meine Nahrungs- und Trinkwassermengen zusammen und ging los. Erst jetzt viel mir ein, daß ich mir einen Platz ausgesucht hatte, der gut geschützt war, durch allerlei alte Bäume. Meine Kerze machte nur mühsam Licht und so manche Schramme an meinen Beinen entstand bei dem Versuch meine Wahl wieder zu verlassen. Auf dem Weg angekommen sah ich aus den Schatten der Bäume am Himmel eine riesengroße Gestalt, menschenförmig, aber mit einem Geweih ausgestattet, wie ein großer Waldgeist in Mensch-Hirsch-Form. Ich begrüßte diesen und gestand ihm seinen Platz für sich zu, ich wollte dort nicht länger weilen. Ca. 1 Stunde brauchte ich im Dunkeln, um heilfroh den im Wald geparkten Wagen wieder zu erreichen. Puh! Budda, wie schön Dich zu sehen.
Ich fuhr los und weiter bis der Himmel immer heller wurde und die Sonne sich fast zeigte. In Höchstadt verließ ich die Autobahn und fuhrt auf wunderschöne Felder, einen Berg hinauf und fand Platz in einem kleinen Waldstück, im Schatten geschützt, wo ich den luftigen unteren Teil eines Igluzeltes im Nu aufbaute und mich drin schlafen legte. Ich war müde.
Etwa 5 Stunden später erwachte ich bei angenehmer Temperatur ohne Mückenstiche. Ich frühstückte etwas und ging los spazieren. Über Felder, hinein in ein Waldstück, bei großer Hitze und Sonne. Im Wald lief der Prozeß munter weiter. Ich sah was geschah in der Vergangenheit, welche Rollen aktiv waren und meine Position dazu, die ich eingenommen hatte, um diese Rollen nicht zu zulassen. Eine große tiefe Verletzung speicherte ich in mir, damit diese nicht in der Aussenwelt in die Realität eintraf, eine emotionelle Schwingung. Ich gab meine alte Pufferposition auf, verließ meine alte Position, die ich immer hatte, seit ich da war. Und ich bat darum, daß Liebe in mir sei und nicht mehr die Angst davor, daß diese Verletzung eintritt, um mich, durch mich oder an mir. Und doch war sie immer da in meinem Leben, ließ sich nicht verstecken. Nun ist sie frei.
Der Himmel bestätigte dies mit einem offenem Herzen aus Wolken. Ich sah einen Hasen, den ich zuerst für einen Fuchs hielt, zwei Bussarde oder andere große Raubvögel, die am Himmel ihre Kreise zogen und sich gegenseitig mit Schreien versuchten ineinander im Liebesspiel zu verwickeln. Sie spielten lange am Himmel über mir in der Luft, flogen aufeinander, ganz klar. Auch ein Reh kreuzte meinen Weg und hüpfte in hohen Sprüngen nach einem prüfenden Blick davon.
Nach einem weiteren Mittagsschlaf und noch einem Spaziergang packte mich wieder die Motivation weiter zu ziehen. Ich überlegte kurz, ob dieser wunderschöne Ort nicht perfekt war noch einen Tag hier zu bleiben, aber in mir war die Bewegung. Also ging es los und weiter. Richtung Fränkische Schweiz.
Auf dem Weg begegnete mir eine auskunftsfreudige Rollerbladerin, die ich nach dem Weg fragte. "Da sind wir hier aber ganz falsch" sagte sie im süßen bayrischen Dialekt. Diese Blicke, diese Augen. Ja, tatsächlich überall waren Engel auf dem Planeten und bisher hatte mich die Wunde immer von Ihnen getrennt. Ich spürte, daß es sich anders anfühlte und fuhr munter weiter.
Bis zu dem Place, an dem ich bereits öfter war, dem Wiesendtal in der Fränkischen Schweiz. Die Versuche die gesuchte Epsershöhle, bzw. den Weg zum Waldstück in der Nähe, zu finden jedoch scheiterten, so daß ich wunderbar meinen inneren Wunsch noch lecker beim Griechen einen Spieß zu essen realisieren konnte. Der Grieche fand sich und der Spieß war sehr lecker, Schafskäse und Krautsalat der Bringer. Beim Essen fiel mir auch ein, warum ich die Höhle nicht gefunden hatte, daß ich auf dem Weg an der Mühle vorbei mußte, um mein Ziel zu finden.
Inzwischen war es dunkel geworden und auf dem Weg funkelten Blitze über mir in der Nacht. Es funkelte heftiger und kein Mucks kam vom Himmel. Es regnete auch nicht. Die Himmel schien auf mich zu warten, so nahm ich die Wiese, die in der Nähe der Espershöhle sein mußte, baute erstmalig in nur 10 Minuten mein Zelt inkl. Regenschutz auf, checkte, ob alle Ecken regensicher aussahen und verschwand mit den ersten Tropfen inkl. Schlafsack und Isomatte, etwas zum Frühstücken und zu trinken in meinem Zelt. So wie ich drin war, wetterte draußen ein irrer Sturm los.
Ich lag in dem Zelt auf dem Rücken und hörte dem Donnern zu, sah, wie die Blitze die Nacht taghell machten. Und dieser Wind. An meine Zeltwand prasselte der Regen, so als ob er versuchen wollte hinein zu kommen. Die Zeltwand hielt perfekt. Auch die Ränder blieben trocken. Hier ein zwei Tropfen. Über mir kam Feuchtigkeit herein. Ganz zarte kleine Tropfen fielen von oben. Die Lüftungsschlitze im Regenschutz ermöglichten dem Wind von unten Wasser hineinzublasen. Jedoch blieb 99.9% des Regens draußen. Damit konnte ich leben.
Der Sturm war wie ein Feuerwerk über mir. Ein Sturm aus Wind, Regen, Blitzen und gewaltigem Donnern direkt über mir und meinem Zelt. Draußen war die Hölle los. Ich überlegte, falls ich zum Auto wollte, daß ich in wenigen Schritten sofort bis auf die Knochen durchnäßt sein würde, so wie es sieht anhörte. Ich nahm im Zelt auf meinem Schlafsack andächtig eine Meditationshaltung ein, was blieb mir bei dem Lärm schon anderes übrig, als den Naturgewalten zuzuhören. Und es passierte so viel in diesem Sturm über mir. Die Energie machte auch mich stark, ich flog erst weit hinaus aus mir und meinem Zelt, landete wieder bei meinem Eltern und ließ natürliche Energie zu ihnen fließen, verteilte die gewaltige Energie, die einfach da war. Und schließlich landete ich zurück in meinem Körper, in meinem Zelt und entschied, daß genau das und nichts anderes mein Leben ist. Dieser Sturm um mich testete mich, ob ich damit auch zufrieden war und ich entschied mich ganz tief in mir, mich, genau dieses mein Leben, meine Art, meine gesamtes Sein in diesem Moment in diesem Sturm anzunehmen und fand tiefsten Frieden in mir bei der Schönheit des Gewitters. Direkt unter dem Sturm im Auge des Orkans. Ich wählte dieses Leben aus, ich entschied mich für diese Reise und diese innere Reise, ich entscheide mich für mein Leben und nicht ein Funke in mir existierte, der sich an einen anderen Ort, in ein anderes Leben gewünscht hätte. Ich lebte genau das, was ich wollte. Es war wunderschön.
Und sowie ich diese tiefe Übereinkunft mit mir fand, schien der Sturm seine Aufgabe erledigt zu haben und wurde leiser und schwächer, bewegte sich über mich hinweg und wurde schnell zu einem leisen Grollen in der Ferne. Ohne Wind, Blitze und Grollen blieb nur der leichte Regen zurück. Ich verließ das Zelt einen Moment und der Regen war angenehm und freundlich. Ich hätte nackt darin spazieren gehen können ohne allzu schnell richtig naß zu werden, wie eine leichte Brise Feuchtigkeit auf der Haut. Sehr zufrieden ging ich in mein Zelt und schlief bestens.
Am nächsten morgen nieselte es immer noch leicht. Nach ausgiebigem Schlafen und einem Frühstück im Zelt verließ ich meinen Place, um auf die Suche nach der Espershöhle zu gehen. Der Himmel war dunkel und regnerisch, aber es regnete nicht. Ich zog mich um, dicke Schuhe, T-Shirt, dicken Pulli, nachdem ich merkte, daß ich frieren würde, so in Sommerklamotten unterwegs. Auf dem Weg über eine Wiese springt wieder ein Reh vor mir her. Ich finde einen Fußweg ohne Wiese, die meine Schuhe durchnäßt und sehe den dunklen Wolken am Himmel entgegen. Als sie den Regen loslassen, biege ich auf dem Fußweg ab Richtung Waldinneres und finde sofort haargenau den Weg zur Höhle wieder, den ich suchte.
Die Höhle dampfte nebelig und gespenstisch vor sich hin bei meinem Erscheinen. Ich sah mir die Seitenhöhle an und ging dann zielstrebig in die Espershöhle hinein. Ich begrüßte diesen heiligen Ort. Ich bemerkte, daß er in mir Bedeutung hat, damals als ich mit anderen hier war, hatte die Höhle für mich Bedeutung gefunden. Die Höhle freute sich darüber und begrüßte mich auch. Sie sagte, daß ich am Abend in dem Wald genau die richtige Entscheidung getroffen hatte. Es war für mich nicht richtig die Vorgaben meiner Inspiration zur Visionssuche haargenau einzuhalten und es wäre dumm gewesen, nur um diesen Vorgaben zu folgen sich von den gefräßigen Insekten verspeisen zu lassen. Und so traf ich gestern abend meine Entscheidung für mich und mein Leben genau richtig. Ich freute mich über diese Aussagen, dankte der Höhle und verließ die Höhle wieder.
Ein Mittagsschläfchen später baute ich mein Zelt wieder ab, verpackte alles gut im Wagen und ging erneut zur Höhle. Als ich drin war, kam ein sportlicher Wandersmann des Weges und so verließ ich die Höhle wieder, ging weiter und fand den Weg hinunter zur Quelle durch einen schluchtartigen Weg. Unten im Wiesendtal fand ich auch die Quelle, die ich aufsuchen wollte. Sie rauschte lautstark unter mir und ich fand sie funkelnd und strahlend aus dem Berge schießend. Ich trank einige Schluck kaltes Felsquellwasser. Wunderbar frisch, wunderbarer Geschmack, wunderbar kalt.
Mich faszinierte der Strom, die Energie mit der sie aus dem Fels quoll. Ich setze mich neben die Quelle und staunte über sie. Ich sah fasziniert in das dahinrauschende Wasser und erkannte den Flow. Die Gesetzmäßigkeit des Fließens. Selbst ein Fels in der Brandung wird in der Unendlichkeit einsehen müssen, daß er dem Flow nichts entgegen zu setzen hat und sich auflösen, in den Fluß der Dinge übergehen. Mir wurde klar, daß mit dem Flow auch die Gesundheit erlangt wird, denn wenn alles fließt, nichts stockt, dann ist alles in Ordnung. Ich sah endlos aufs Wasser, bis mir auffiel, daß eine Schnecke sich ihren Weg über meinen Fuß bahnte. Sie schneckte auf der anderen Seite wieder herunter. Ich spürte meinen verspannten Rücken. Schon seit Monaten schmerzte der öfter mal. Ich behandelte mich mit Prana-Energie. Ich konnte vorher meinen Kopf nur wenig nach links drehen. Nach wenigen Augenblicken der Behandlung war er befreit und ich konnte ihn ganz nach links drehen. Ich war erstaunt über die Geschwindigkeit der Prana-Heilung. Die Quelle mußte damit zu tun haben, der Flow. Ja, so war es. Ich spürte, wie die Quelle in meiner Aura einfloß, von unten spiralenartig hinauf, frisch hoch hinauf, um dann wieder spiralenförmig mit alten verbrauchter Energie wieder herunter und hinaus zu fließen. Sie reinigte mich alleine durch Ihre Anwesenheit.
Mir kam der Gedanke diese Energie noch stärker zu nutzen und stellte mich mit einem Bein links mit einem Bein rechts von der fließenden Quelle auf. Meine Hände richtete ich auf das Wasser und wieder spürte ich, wie sie in mich einfloß, durch mich hindurch floß und meine gesamte Energie reinigte. Eine Heilquelle! Meine Augen starrten aufs Wasser. Das Gehirn begann die Wasser-Bewegung zu vereinfachen. Der Effekt war, daß, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf den Rand des Wasser verlagerte, dieser sich auch bewegte. Er wuchs. Die Steine und Blätter neben der Quelle wurden größer und wuchsen, stiegen auf, bewegten sich. Ich mag diesen Effekt. Irgendwann fühlte ich mich innerlich klar. Ein Funkeln aus der Quelle erschien mir. Wie eine Goldmünze schien in der Quelle zu liegen. Ich überlegte hinein zu greifen und in diesem Moment sprangen einige Tropfen auf meine Hand. Also griff ich hinein und zog einen hellgelben glatten flachen Stein heraus, der ewig lang von der Heilquelle bearbeitet worden war. Ich nahm ihn an mich und in diesem Moment bewegte sich ein großer Ast, der eigentlich quer in der Quelle saß auf mich zu und floß herunter. Ja, so war es. Nichts kann den Flow aufhalten.
Und so fuhr ich sehr zufrieden von diesem magischen Ort zu meinem Freund und Bruder Achim, der mir diesen Ort überhaupt erst gezeigt hatte. Bei unserem letzten Treffen hatte er gesagt "Wenn Du unterwegs bist, muß die Straße, der Weg Dein Zuhause sein, nicht die Orte, die Du ansteuerst." Ja, jetzt endlich verstand ich ihn.




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