Endlich hab ich meine Filme vom Mega-Anarchie-Event Burning Man 2002 in der Wüste Nevadas entwickeln lassen und ja! da springt das Herz gleich höher, denn die Bilder sind was geworden und auch die von der Nacht der Verbrennung des Temple of Joys, das war für mich sowieso der Highlight der ganzen Woche auf Burning Man. Meine schönsten Bilder seht Ihr hier und während ich diese Seite bastle, kommen mir fast die Tränen in die Augen, so geil ist das Gefühl das mitangesehen zu haben.
Der Temple of Joy hatte die Aufgabe den Menschen die Möglichkeit zu geben, dass Sie Ihren Trauer, Ihre Wut, Ihre Verzweiflung darüber, dass ein geliebter Mensch gegangen ist, dort zu lassen, indem sie die Namen und weitere Worte auf Holz im Temple hinterliessen. Tatsächlich war der Temple am Ende der Woche so aufgeladen mit Trauer, dass nahezu jeder, der ihn betrat, auf der Stelle auch in sich einen Grund fand traurig zu sein und zu weinen. Wie eine Quelle der Tränen, traurig und doch unsagbar schön, berührend.
Auf den Bildern sieht man diese unglaublichen Windhosen, die aus dem brennenden Temple of Joy marschieren. Es waren eine Menge, die da raus kamen und ich krieg eine Gänsehaut wenn ich dran denke, denn ich hab nie was Lebendigeres gesehen. Feuer erscheint einem manchmal lebendig, ja, aber der brennende Temple of Joy entfachte ein Feuer, wie man es noch nicht gesehen hat. Nach einer Weile kam die erste Windhose absolut straight in Richtung Black Rock City aus dem Zentrum des Temple und die Menge bejubelte die erste Hose beeindruckt. Die erste versiegte wieder, bevor sie die Menge erreichte und schon kam die nächste aus dem Temple angeflogen. Auch diese ging aus dem Temple in Richtung der Stadt und kam vor der Menschenmenge zum Stillstand. Es war wie wenn der Wind des Feuers den Menschen entgegen ging und sie begrüßen wollte. Ein Ritual, Magic!
Das Feuer des Temples jedoch schien anderer Meinung zu sein und plötzlich und blitzartig wuchs vor der nächsten Windhose eine Feuerwand hoch und als ob das nicht schon unbelievable genug wäre, kam aus der Spitze der Feuerwand ebenso plötzlich ein Strahl aus Feuer, praktisch der Atem des Feuers, der der Windhose direkt ins Herz blies und sie damit zum Erliegen brachte. Mit der Windhose brach auch die mystery Feuerwand in sich zusammen und schon errichtete sich die nächste Windhose in den Flammen. Die Menge jubelt, feuert dieses Schauspiel an! Niemals hab ich Natur gesehen, die sich in einer absoluten Einöde so lebendig präsentierte, ja es sah für mich so aus, als handele das Feuer sehr zielgerichtet und bewusst, richtete sich auf und gegen den Wind, wie eine lebendiges sichtbares Wesen, geformt aus den Elementen, wie wir. In dieser einzigartigen Zeremonie sahen einige Menschen Vögel über dem Temple. In der gesamten Woche hatte niemand Vögel gesehen, aber jetzt flog eine Reihe von Ihnen durch die Zeremonie hindurch, wie um Himmel, Erde, Wind und Feuer zu verbinden.
Diesen Riesenhaufen Trauer der Menschen zu befreien und damit auch die Seelen der Toten von dieser Last zu befreien war eine Zeremonie, die ich niemals vergessen werde und die mich jetzt noch innerlichst berührt und erreicht.
Ich wünsche mir öfter derartiges zu erleben.
Herzerweicht,
Sandro